Tanztherapie: Mit Bewegung die Seele berühren

Die Tanztherapie hat sich vor ungefähr 100 Jahren im europäischen Raum entwickelt. Wenn man die Geschichte der Heilkunde und des Tanzes zurückverfolgt, zeigt sich, dass Musik und Tanz bereits bei den Naturvölkern fest in deren Heilritual eingebunden waren.

 

Die Tanztherapie arbeitet überwiegend mit Bewegung im Rhythmus und Wahrnehmungsschulung. Sie kann durch ihren positiven Einfluss auf Körper, Geist und Seele Stimmungen so verändern, dass sich die Menschen leichter, gelöster und entspannter fühlen.

 

In meiner psychotherapeutischen Arbeit in der Psychosomatik konnte ich es z. B. erleben, dass eine Schmerzpatientin nach einer Therapiestunde gelöst den Raum verließ, die Schmerzen waren nicht mehr in ihrem Fokus.

Tangotherapie

Ich habe für mich den Tango Argentino vor einigen Jahren in einer Umbruchphase entdeckt. Die Musik, die Bewegungen dazu, das Sich-ein-Lassen hatten eine heilsame Wirkung auf mich. In diesen Stunden konnte ich alles andere vergessen, auf eine gewisse Art und Weise war es sogar eine Art Meditation. Seitdem tanze ich regelmäßig mit viel Freude und möchte meine Begeisterung und Liebe zu diesem Tanz mit vielen Menschen teilen.

 


 

Die Bewegungsabläufe bei neurologischen Erkrankungen wie Parkinson, Multiple Sklerose oder beginnender Demenz haben gemeinsam, dass die Impulse vom Gehirn zu den Extremitäten wesentlich langsamer geleitet werden und der Lernprozess für neue Bewegungen stark verlangsamt ist.

 

Durch die gleichbleibende Rhythmik der Tango-Musik werden die Impulse vom Gehirn zum Körper harmonisiert und fließen gleichmäßiger. Das Losgehen und auch das Zum-Stehen-Kommen am Ende des Taktes wird dadurch erleichtert. Auch das für Parkinson-Erkrankte typische Freezing (Einfrieren der Bewegung und Erstarrung) sowie der Tremor erfahren eine Verbesserung.

 

US-Studien haben ergeben, dass Tango (nicht aber Foxtrott, Walzer oder Tai-Chi) die Mobilität von Parkinson-Patienten signifikant verbesserte. Eine weitere Studie mit bildgebender Dokumentation der Gehirnentwicklung soll aufzeigen, dass die Tango Therapie über die gleichzeitige Stimulation beider Gehirnhälften zur Entwicklung des neuronalen Netzwerkes beiträgt.

 

Besonders bemerkenswert ist, dass bei neurologischen Erkrankungen eine Rückgewinnung bereits verloren gegangener Fähigkeiten, wie z. B. das Rückwärtsgehen, Gehen ohne Gehhilfe, selbstständiges Bewegen im Straßenverkehr zu beobachten ist.

 

Es hängt natürlich von der einzelnen Symptomatik und Dauer der Erkrankung ab, wie sich Fortschritte und Erfolge entwickeln.

 

Ein zusätzlicher Faktor ist die Freude an der gemeinsamen Bewegung zur Musik. Denn die Erkrankung an einer degenerativen neurologischen Erkrankung führt meistens zum Rückzug und oftmals in eine Depression.

 

Bildquelle: Ruhr-Nachrichten-Dortmund          Quelle zu Tangotherapie: Simone Schlafhorst – Neurotango